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09.03.2023
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Guten Morgen Detlef Karl Klein,

das Kriegsgeschehen in der Ukraine bestimmt die politischen Diskussionen in Washington, Berlin, Paris, Moskau und auch in Peking. Doch bevor sich die Verantwortlichen eine Meinung bilden, schauen sie auf die harten Fakten.

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Dr. Claudia Major © Stiftung Wissenschaft und Politik / Presse

Diese Analyse – in diesem Fall für Ihre Meinungsbildung – hat das Pioneer-Security-Team übernommen, das sich wiederum prominenter Experten bedient hat. Direkt beteiligt an der Formulierung dieser 20 Fast Facts waren der frühere NATO-General und Oberbefehlshaber des Allied Joint Force Command Egon Ramms, die Expertin für Sicherheitspolitik der Stiftung Wissenschaft und Politik, Dr. Claudia Major und der Militärexperte der Universität der Bundeswehr in München, Prof. Dr. Carlo Masala.

Hier die Fakten über den Krieg, die Ihnen bei der Bildung einer eigenen Meinung behilflich sein sollen:

Kapiteltrenner Fast Fact 1

Wie viele Soldaten sind bislang auf beiden Seiten gestorben?

Nach Schätzungen des amerikanischen Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington sind in der Ukraine bislang zwischen 60.000 und 70.000 russische Soldaten gestorben. Laut CSIS sterben in der Ukraine pro Monat 25-mal so viele russische Soldaten wie in Tschetschenien und 35-mal so viele wie während der russischen Intervention in Afghanistan von 1979 bis 1989.

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Trauerfeier für den gefallenen Soldaten Jurij Storoschew © dpa

Kiew liefert keine regelmäßigen Zahlen zu den eigenen Verlusten der ukrainischen Armee, Stand Dezember 2022 sind über 13.000 Soldaten auf dem Schlachtfeld gestorben. Westliche Experten gehen insgesamt von rund 100.000 gefallenen oder verwundeten ukrainischen Soldaten aus.

Kapiteltrenner Fast Fact 2

Was weiß man über die zivilen Opfer?

Die Opfer in der Zivilbevölkerung sind deutlich geringer. Die UN zählt bislang 8.173 Todesopfer in der ukrainischen Zivilbevölkerung, darunter 492 Kinder. 13.620 Menschen wurden verletzt. Es gab Kollateralschäden des Bombenkrieges und es gab Gräueltaten, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewertet werden müssen.

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Butscha im Frühjahr 2022 © imago

 
Die bisherige Bilanz des Krieges
Die Folgen des Ukraine-Krieges
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Kapiteltrenner Fast Fact 3

Auf welcher Länge und wo genau verläuft derzeit die Front?

Die Frontlinie in der ganzen Ukraine erstreckt sich über rund 1.300 Kilometer und reicht vom Schwarzen Meer im Südosten der Ukraine bis an die russische Grenze im Norden.

 
Ukraine: Der Frontverlauf
Die Lage in der Ukraine am 8. März 2023
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Kapiteltrenner Fast Fact 4

In welche Richtung und in welchem Tempo bewegt sich die Frontlinie?

Seit Juni 2022 bewegt sich die Front in ihrem großen Teil gar nicht und in einem kleinen Teil sehr langsam – mit einem Tempo von 200 bis 300 Metern pro Tag – in Richtung Kiew. Das heißt: Russland verzeichnet mit gezielten Angriffen im Donbass unter hohen Verlusten an Menschen, Material und Ausrüstung vergleichsweise geringe Geländegewinne.

Das war nicht immer so. Zum Kriegsbeginn gab es immer wieder überraschende Entwicklungen. Fast die Hälfte des anfangs von Russland eroberten Gebiets hat die Ukraine inzwischen wieder befreien können, mithilfe westlicher Waffen gelangen große Offensiven in Cherson und Charkiw.

 
Ukraine-Krieg (2014-2023)
Frontverläufe in der Ukraine an ausgewählten Daten
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Kapiteltrenner Fast Fact 5

Was genau ist in der Stadt Bachmut im Donbass los, die 700 Kilometer von Kiew entfernt liegt?

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Bachmut © dpa

Hier haben sich beide Armeen festgefahren. Die einst von 70.000 Menschen bewohnte Stadt ist nahezu menschenleerund fast vollständig zerstört. Die ukrainischen Kräfte leiden dort unter dem Druck der Russen, die mit hoher Intensität versuchen, die Stadt einzunehmen – bislang ohne Erfolg. Sobald allerdings der Belagerungsring geschlossen wird – wofür die russische Armee kämpft – fällt die Stadt, weil dann die Nachschubwege der ukrainischen Kämpfer gekappt wären.

 
Der Kampf um Bachmut
Entwicklung des Frontverlaufs im Gebiet um Bachmut
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Prof. Dr. Carlo Masala hält die Schlacht um Bachmut für einen strategischen Fehler der Ukraine. Die ukrainische Armee verschleißt Mensch und Material.

Kapiteltrenner Fast Fact 6

Derartige Bodenkriege bedeuten immer auch eine Materialschlacht. Welche Art Kriegsgerät und welche Munition ist auf beiden Seiten im Einsatz?

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Russische Marinesoldaten auf einem Übungsplatz in der Region Primorje, Russland © imago

Das russische Militär setzt auf den massenhaften Einsatz von Mensch und Material und damit eine traditionelle Kriegsführung. Bodentruppen, ausgestattet mit Panzern und Artillerie, prägen den Krieg. Der ehemalige Moskau-Korrespondent und heutige Chefredakteur der NZZ, Eric Gujer, der im Tschetschenien-Krieg die russische Armee beobachtet hat, beschreibt deren Vorgehen wie folgt:

  Die russische Doktrin lautet: Helfen 1000 Granaten nicht, dann helfen 2000 Granaten. “

Die russische Seite kann sich diese Materialschlacht leisten. Sie verfügt über 830.000 aktive Soldaten. Die Ukraine verfügt nur über 200.000 aktive Soldaten. Diese Zahlen basieren auf den Angaben von Global Firepower.

 
David gegen Goliath
Vergleich der Militärstärke von Russland und der Ukraine nach Militäreinheiten im Februar 2023
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  • Laut der Organisation Oryx – einer investigativ-journalistischen Plattform aus den Niederlanden – hat Russland seit Februar 2022 über 1.800 Panzer verloren, jeden Monat werden demnach 150 russische Panzer außer Gefecht gesetzt. Allerdings ist für Nachschub gesorgt: Insgesamt besitzt Russland über 12.000 Kampfpanzer.

 
Russland: Schwere Verluste
Ausgewählte Geräteverluste* der ukrainischen und russischen Armee zum 7. März 2023
Ausgewählte Geräteverluste* der ukrainischen und russischen Armee zum 7. März 2023
 
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  • Nach Schätzung des Nato-Oberbefehlshabers Christopher G. Cavoli verschießt die russische Armee pro Tag im Schnitt 23.000 Artilleriegeschosse. Das entspricht mehr als der monatlichen Produktion innerhalb der EU.

  • Die ukrainische Armee verfügt über rund 2.000 Kampfpanzer, vor allem sowjetischer Bauart. Derweil läuft bereits die Ausbildung ukrainischer Soldaten an dem britischen Panzer Challenger 2, 14 Stück sollen noch geliefert werden. Polen will noch in dieser Woche zehn Leopard-2-Panzer aus deutscher Produktion in die Ukraine schicken, aus Deutschland kommen demnächst 14 Leoparden.

Kapiteltrenner Fast Fact 7

Was waren die jeweils größten Fehler der russischen und ukrainischen Armee?

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Soldaten der ukrainischen Nationalgarde © dpa

Der bislang größte Fehler der russischen Armee war die Unterschätzung der ukrainischen Moral und des Verteidigungswillens der ukrainischen Streitkräfte.

Der größte Fehler auf Seiten der Ukraine war, vor dem Krieg – trotz US-Hinweisen und russischen Tuppenverstärkungen rund um die Ukraine – davon auszugehen, dass Russland sie nicht angreifen würde.

Kapiteltrenner Fast Fact 8

Wie stark sind Deutsche, Amerikaner, Franzosen und Briten in diesen Krieg involviert?

Alle vier Nato-Staaten unterstützen die Ukraine finanziell, humanitär sowie mit Waffenlieferungen. Die finanzielle Unterstützung aus den USA beträgt inzwischen über 73 Milliarden Euro, das Vereinigte Königreich hilft mit 8,3 Milliarden Euro, Frankreich mit 1,7 Milliarden Euro. Deutschland – das anfangs nur 5000 Helme liefern wollte – ist mittlerweile mit sechs Milliarden Euro dabei.

 
Ukraine: Großunterstützer USA
Militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine bis zum 15. Januar 2023, in Milliarden Euro
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Kapiteltrenner Fast Fact 9

Sind westliche Militärs an der Kriegsführung beteiligt?

Es gibt keine Nato-Truppen in der Ukraine. Ukrainische Soldaten werden von Nato-Kräften aber auf britischem, auch auf deutschem Boden ausgebildet. Sie lernen dort etwa die Bedienung und Instandsetzung von westlichem Kriegsgerät oder das Räumen von Minen. Insgesamt wollen die EU-Staaten in diesem und im nächsten Jahr rund 30.000 ukrainische Soldaten und Soldatinnen trainieren. Plus: Großbritannien bildet alle drei Monate 10.000 ukrainische Soldaten aus.

Zudem unterstützen die USA die Aufklärung und Nachrichtengewinnung auf dem Schlachtfeld. Die Geheimdienste liefern in Echtzeit Informationen zu russischen Truppenbewegungen an die Ukraine. Bei der Zerstörung des Flaggschiffs „Moskau“ im April 2022 sollen laut Berichten der New York Times die US-Nachrichtendienste eine wichtige Rolle gespielt haben.

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Egon Ramms © imago

Ex-Nato-General Egon Ramms sagt:

  Die Ukraine hängt – medizinisch ausgedrückt – am Tropf des Westens. “

Kapiteltrenner Fast Fact 10

Ist es realistisch für die Ukraine, die besetzten Gebiete, inklusive der Krim, befreien zu können?

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Walerij Saluschnyj, Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte © dpa

Das ist unwahrscheinlich, denn dafür fehlt es aktuell an Waffen. Walerij Saluschnyj, Oberkommandeur der ukrainischen Truppen, sagte, sein Land benötige neben anderen Fahrzeugen insgesamt 300 Kampfpanzer, um das von Russland eingenommene Territorium zurückzuerobern. Armin Papperger, Rheinmetall-CEO, schätzt den Umfang im Gespräch mit The Pioneer auf mindestens 600 bis 800 Panzer.

Auch Ex-General Ramms sagt:

  Um die ukrainische Operation wieder in Bewegung zu bringen, bedarf es einer größeren Zahl von Kampfpanzern und Schützenpanzern für das beweglich geführte Gefecht der verbundenen Waffen. Dazu weitreichende Artillerie und eine noch bessere Ausstattung für die Flugabwehr. “

Gleichzeitig erfordert eine mögliche Rückeroberung der Krim ein anderes Kriegsgerät. Der Experte für Sicherheitspolitik, Militärstrategien und internationale Beziehungen, Gustav Gressel vom „European Council on Foreign Relations“, sagt:

  Der Landübergang zur Krim ist schmal, die ukrainischen Streitkräfte haben keine amphibische oder Luftlandekapazität, die ihnen erlauben würde, diesen Flaschenhals zu umgehen. “

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Kapiteltrenner Fast Fact 11

Was versprechen sich beide Seiten von den angekündigten Frühjahrsoffensiven?

Wladimir Putin
Wladimir Putin © imago

Die Bundesregierung und Nato gehen davon aus, dass die erwartete ukrainische Offensive nicht darauf abzielt, alle russisch besetzten Gebiete zurückzuerobern, sondern die russisch besetzte Landbrücke zwischen der Krim und dem Donbass zu teilen und dann militärisch Druck auf die Krim aufzubauen, um Moskau an den Verhandlungstisch zu zwingen. Man will das Vorrücken der Russen stoppen.

Die russische Generalität plant eine Frühjahrsoffensive, bevor die zugesagten Waffenlieferungen des Westens im Gefechtsfeld ankommen. Man will das bisher nur langsame Tempo der Geländegewinne wieder beschleunigen, auch um die ukrainische Kriegsführung zu desillusionieren.

Kapiteltrenner Fast Fact 12

Warum werden die amerikanischen M1-Abrams-Panzer, die Joe Biden Olaf Scholz zugesagt hat, in diesem Jahr nicht geliefert?

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M1-Abrams-Panzer © imago

Die USA besitzen über 2500 einsatzbereite M1-Abrams-Panzer in ihrer Armee, aber wollen davon keinen einzigen an die Ukraine abgeben. Man will offenbar die eigene Landesverteidigung nicht schwächen.

Die 31 dem deutschen Kanzler versprochenen M1-Abrams-Panzer aus den USA kommen daher nicht aus den Beständen der US-Armee, sondern wurden bei der Industrie neu bestellt. Bis sie vom Fließband laufen, kann bis zu einem Jahr vergehen. Insofern hat Scholz einen politischen Erfolg erzielt, der auf dem ukrainischen Schlachtfeld des Jahres 2023 ohne Bedeutung ist.

Kapiteltrenner Fast Fact 13

Inwieweit ist die Volksrepublik China in diese militärische Auseinandersetzung auf europäischem Boden involviert?

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Wladimir Putin und Xi Jinping © dpa

Nur indirekt. ​​China verfolgt eine pro-russische Neutralität, es vermeidet eine klare Positionierung, aber hat kein Interesse, dass Russland verliert. China teilt mit Russland die Kritik an der bestehenden Weltordnung, die Peking als US-dominiert ansieht.

China hilft Russland, die ökonomischen Folgen der westlichen Sanktionspolitik drastisch zu mindern, sodass Russland weiterhin über ausreichend Ressourcen verfügt, um den Krieg führen zu können.

Kapiteltrenner Fast Fact 14

Was würde passieren, wenn der Westen seine Waffenlieferungen unverzüglich einstellen würde?

Es würde binnen kürzester Zeit zur Kapitulation der Ukraine kommen. Friedensverhandlungen wären aus Sicht von Putin nicht mehr nötig. Er hätte gewonnen.

Kapiteltrenner Fast Fact 15

Wie realistisch ist die Gefahr eines Atomkrieges?

Putin besitzt mit knapp 6000 die meisten Atomwaffen der Welt und droht seit Kriegsbeginn immer wieder mit deren Einsatz – insgesamt 48 Mal seit Beginn des Krieges. Atomwaffen wolle Putin aber nur zur Verteidigung seines Landes einsetzen, fügte er meistens hinzu.

 
Das Gleichgewicht des Schreckens
Anzahl der Atomwaffen weltweit im Jahr 2022
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Denn: Auch die Mitglieder der Nato – genauer die Nuklearmächte USA, Großbritannien und Frankreich – besitzen rund 6000 Atomwaffen. Deshalb betrachtet Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes in der Ukraine als gering. Es herrsche das Gleichgewicht des Schreckens.

Kapiteltrenner Fast Fact 16

Haben die russischen Atomdrohungen zu- oder abgenommen?

Die russischen atomaren Drohungen haben seit dem Herbst deutlich abgenommen, was sich mit drei Entwicklungen erklären lässt: Der Krieg hat sich stabilisiert; es gibt wieder bessere Kommunikationskanäle zwischen Russland und den USA; Staaten – vor allem auch China – haben den Einsatz von Atomwaffen verurteilt, etwa in der G20-Erklärung in Bali. Sollte Russland allerdings aus seiner Sicht in Bedrängnis geraten, ist wieder mit einer Zunahme der atomaren Drohungen zu rechnen.

Kapiteltrenner Fast Fact 17

Dieser Krieg geht mit einer massiven Zerstörung einher. Was sind – inklusive Wiederaufbau – die finanziellen Kosten?

Die Weltbank schätzte die Kosten Ende 2022 auf über 500 Milliarden Euro.

20230309-image-dpa-mb-Denys Schmyhal, Ministerpräsident der Ukraine
Denys Schmyhal, Ministerpräsident der Ukraine © dpa

Der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal bezifferte die Kosten für den Wiederaufbau im vergangenen Oktober auf 750 Milliarden US-Dollar. Ex-Nato-General Egon Ramms geht sogar von rund 2 Billionen Euro für den Rest des Jahrhunderts aus.

Kapiteltrenner Fast Fact 18

Wer zahlt?

Die EU will beim Wiederaufbau eine Führungsrolle übernehmen, allerdings ist bisher noch nichts konkretisiert.

Kapiteltrenner Fast Fact 19

Viele sehnen sich nach Frieden. Aber wer bietet sich als Vermittler und womöglich auch als Architekt eines Friedensplans bisher an?

Das im Mai von Russland und der Ukraine erarbeitete Istanbuler Kommuniqué ist gescheitert. Kürzlich hat Peking Russland einen Plan vorgelegt. Der Plan beinhaltet die Forderung nach Waffenstillstand, Friedensverhandlungen und dem Ende der westlichen Sanktionen, ist allerdings eher eine Aneinanderreihung von Aussagen und kein Plan und übernimmt in weiten Teilen russische Narrative. Russland hat kein Interesse signalisiert.

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Carlo Masala © dpa

Prof. Carlo Masala geht davon aus, dass die USA und China am Ende gemeinsam mit Russland und der Ukraine am Verhandlungstisch sitzen werden.

Kapiteltrenner Fast Fact 20

Wie geht es jetzt weiter?

Der Westen hat ein massives Interesse an einem schnellen Waffenstillstand mit anschließenden Friedensgesprächen: Denn die politische Zustimmung des Westens für weitere Unterstützung der Ukraine ist nicht gesichert. 2024 wird in Großbritannien, Finnland, Slowakei, Rumänien, Litauen, den USA und im EU-Parlament gewählt, 2025 in Deutschland. Die Kriegsfinanzierung ist nirgendwo populär. Die US-Republikaner wollen ein Stopp der Waffenlieferungen erzwingen.

 
Republikaner: Keine Hilfen mehr für die Ukraine
Umfrageergebnis zu den US-Hilfen für die Ukraine unter republikanischen Wählern vom 24. Januar 2023, in Prozent
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Putin wiederum hat kein Interesse an einer schnellen Lösung, denn die Zeit spielt für ihn. Russland dürfte mit der Zeit in den besetzten Gebieten Fuß fassen, neue Pässe verteilen, soziale Hilfen leisten und den Wiederaufbau beginnen.

Außerdem kann Russland auf Kriegswirtschaft umstellen und weitere Truppen mobilisieren. Putin besitzt die alleinige Eskalationskraft und kann mit Hilfe seines Repressionsapparats jede Friedenssehnsucht im eigenen Volk unterdrücken.

Kapiteltrenner Florence Gaub
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Florence Gaub © imago

Dr. Florence Gaub ist eine deutsch-französische Militärexpertin, Politikwissenschaftlerin und hat den Rang des „Hauptmanns der Reserve“ in der französischen Armee. Sie berät den europäischen Rat zu Zukunftsthemen. Ab Mai ist sie zudem Chefin der Forschungsabteilung am Defense College der Nato in Rom. Heute ist sie meine Gesprächspartnerin im Pioneer Podcast.

Gaub berichtet, dass es hinter den Kulissen der verfeindeten Blöcke Gespräche und damit Ansätze für spätere Friedensverhandlungen gibt:

  Dass Staaten und Organisationen sich da einschalten, passiert die ganze Zeit, also quasi jede Woche. Nur gibt es halt bisher keinen Durchbruch. “

Gaub spricht über Parallelen zwischen Putin und Hitler:

  Putin und Hitler haben gemein, dass sie keinen Hehl daraus machen, was ihre Ambition ist. Dieser Vergleich legt nahe, dass wenn man jetzt in der Ukraine nachgibt, es für Putin damit nicht vorbei wäre. “

Sie sieht in Putin einen Hitler 2.0:

  Putin ist inspiriert vom totalitären und expansionistischen Verhalten Hitlers. “

Wissend, dass die tatsächliche westliche Panzerlieferung den Krieg nicht entscheiden kann, setzt sie dennoch auf die symbolische Wirkung:

  Wir können entweder einfach so viel Waffen draufhauen, bis wir quasi physisch jeden einzelnen Russen aus dem Land getragen haben. Oder wir können in den Köpfen der russischen Regierung erreichen, dass sie versteht, dass sie den Krieg militärisch nicht gewinnen kann. “
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Klick aufs Bild führt zur Podcast-Page

Für Gaub kommen europäische Staaten als Vermittler nicht in Frage, da sie nicht von beiden Seiten akzeptiert werden. Wer könnte vermitteln?

  Die Türkei hat ein relativ gutes Verhältnis mit Russland, aber auch eins mit uns. “

Einen Frieden in naher Zukunft sieht sie nicht, einen Waffenstillstand aber schon:

  Ich denke, wir werden auf jeden Fall irgendwann in der zweiten Jahreshälfte auf Waffenstillstände kommen. Aber ob die dann der Durchbruch zu einem Frieden sind, wage ich zu bezweifeln. Sie könnten auch nur dazu dienen, dass man wieder aufrüstet und sich erholt. “

Fazit: Wir befinden uns in einem Prozess, dessen Ende keiner derzeit absehen kann. Oder um es mit Peter Sloterdijk zu sagen:

  Du kennst die Anfänge nicht, die Enden sind dunkel, irgendwo dazwischen hat man dich ausgesetzt. In der Welt sein heißt, im Unklaren sein. “

Ich wünsche Ihnen einen informierten Start in den neuen Tag. Bleiben Sie mir gewogen.

Es grüßt Sie auf das Herzlichste,

Ihr

Signatur Gabor Steingart
Gabor Steingart
Herausgeber The Pioneer

Impressum

Redaktion

Lukas Herrmann (Leitung), Luisa Nuhr, Daniel Bayer, Marc Saha

Grafiken

Nils Lang (Daten), Julian Sander (Titelbild)

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