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26.06.2023
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Guten Morgen Detlef Karl Klein,

wer braucht in diesen Zeiten noch einen TV-Thriller, wo man sich per Fernbedienung zum großen Spektakel auf die Zufahrtsstraße nach Moskau schalten kann? Dort ratterten am Wochenende die Militärkonvois einer innerlich aufgewühlten Söldnertruppe. Wagner für Militaristen wurde gegeben: die Putin-Dämmerung.

 
Russland: Der versuchte Aufstand
Der zeitliche Ablauf
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Das Ziel: Der Kreml. Als Antriebsenergie diente ein explosives Wutgemisch, das es in dieser Konsistenz weder bei Shell noch bei Gazprom zu kaufen gibt. Putin und sein Verteidigungsminister hatten es selbst angerührt. Der grimmige Anführer der etwa 25.000-köpfigen Söldnertruppe, Jewgeni Prigoschin, fühlte sich von Putin verraten und schwor dem Mann, der vor dem Wochenende noch sein Verbündeter und Auftraggeber war, ewige Rache:

  Wir werden alles vernichten, was uns im Weg steht. “
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Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner © dpa

Der Mann im Kreml wiederum ließ mit Spitzhacken und Baggern die Zufahrtsstraßen nach Moskau aufreißen und sprach im Fernsehen seinerseits wüste Drohungen aus: Wagners „Verrat“ sei „ein Dolchstoß in den Rücken der Nation und des Volkes“.

20230626-image-dpa-mb-Polizisten stehen Wache im abgesperrten Gebiet auf dem Roten Platz in Moskau.
Polizisten stehen Wache im abgesperrten Gebiet auf dem Roten Platz in Moskau. © dpa

Doch der so tollkühn gestartete „Marsch für Gerechtigkeit“ (Prigoschin) wies schon 36 Stunden später einen unschönen Unterschied zum TV-Thriller auf. Der Spannungsbogen knickte ohne jede dramaturgische Vorwarnung ab. Noch bevor es zum Showdown kam, schlug sich der Angreifer in die weißrussischen Büsche. Der Konvoi mit Kämpfern, die nicht mehr kämpfen wollten, drehte bei und befindet sich nun auf der Straße nach nirgendwo.

20230626-image-imago-pb-Mitglieder der Söldnertruppe Wagner verlassen das Gebiet des Hauptquartiers des südlichen Militärbezirks und das nahe gelegene Gebiet in Rostow am Don
Mitglieder der Söldnertruppe Wagner verlassen das Gebiet des Hauptquartiers des südlichen Militärbezirks © imago

Putin triumphierte nicht, aber er überlebte. Er ist nicht tot, aber gerupft und gedemütigt. Eine Handvoll armer Teufel muss nun die aufgerissenen Asphaltdecken auf den Zufahrtsstraßen nach Moskau wieder schließen.

Auch die Medien zählen zu den Verlierern, hatten sie doch gehofft, die Wagner-Festspiele werden ihnen helfen, das Sommerloch zu füllen. Von den Drehbuchautoren Putin und Prigoschin hatte man mehr erwartet, zumal die großen Rammstein-Hits als Filmmusik bereits eingespielt waren: Mann gegen Mann. Haifisch. Benzin. Feuer frei. Ich tu dir weh. Asche zu Asche.

Nun muss das konsternierte Publikum – wie es das aus den Stücken des Ferdinand von Schirach mittlerweile kennt – über das Ende selbst entscheiden. Drei Optionen des Finales befinden sich im historischen Angebot:

Das Hitler-Szenario: Putin könnte versucht sein, sich am deutschen Diktator zu orientieren. Der nutzte jeden echten oder vermeintlichen Anschlag auf seine Autorität zur Befestigung seiner Macht.

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Ernst Röhm © imago

Mit dem Röhm-Putsch erfand er eine Verschwörung, um in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1934 eine parteiinterne Säuberung durchzuführen. Ernst Röhm und weitere Funktionäre der SA-Führung wurden an den Tegernsee gerufen und durch Angehörige der SS noch in derselben Nacht ermordet.

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Adolf Hitler © imago

Hitler reichte die vermutete Untreue der SA-Führung: „Meuternde Divisionen hat man zu allen Zeiten durch Dezimierung wieder zur Ordnung gerufen.“ Er wollte ein Exempel statuieren und ließ daher wenige Tage später im Rahmen einer Zeremonie die Röhm-Mörder mit einem „Ehrendolch“ auszeichnen. Er selbst brüstete sich, ihr Auftraggeber gewesen zu sein:

  Ich habe den Befehl gegeben, die Hauptschuldigen an diesem Verrat zu erschießen, und ich gab weiter den Befehl, die Geschwüre auszubrennen bis auf das rohe Fleisch. “

Das Jelzin-Szenario: In diesem Plot bringt eine Umsturz-Situation einen neuen Führer hervor – jenseits der bisherigen Kontrahenten. Beim Augustputsch im Moskau des Jahres 1991 versuchte eine Gruppe von konservativen Funktionären der Kommunistischen Partei, den Staatspräsidenten Michail Gorbatschow abzusetzen. Seine Reformagenda ging ihnen zu weit. Die Putschisten nannten sich „Staatskomitee für den Ausnahmezustand“ und waren allesamt erst unter Gorbatschow auf ihre Positionen gelangt.

20230626-image-imago-mb-Michail Gorbatschow und seine Frau Raissa Gorbatschow
Michail Gorbatschow und seine Frau Raissa Gorbatschow © imago

Gorbatschow und seine Frau wurden von den Putschisten vom 18. August bis zum 21. August in ihrem Feriendomizil festgesetzt und isoliert. Am 19. August verkündete das Fernsehen, Gorbatschow sei überraschend erkrankt und könne seine politischen Ämter nicht mehr ausüben.

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Boris Jelzin © imago

Doch das Militär in Moskau folgte den Putschisten nicht. Der damalige Präsident der Russischen Teilrepublik hieß Boris Jelzin; er führte den Widerstand gegen die Putschisten an. Vor zehntausenden Demonstranten, die sich vor dem Parlament versammelt hatten, forderte er – auf einem Panzer stehend – die Rückkehr Gorbatschows und bat die Soldaten, in den Kasernen zu bleiben:

  Werdet nicht zur blinden Waffe des verbrecherischen Willens von Abenteurern! “
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Boris Jelzin steht am 19.08.1991 in Moskau auf einem Panzer und hält eine Rede. © imago

Jelzin war der neue Held der Massen – und drängte den von ihm geretteten Gorbatschow wenig später an die Seite.

Das Salvador-Allende-Szenario: In diesem Szenario setzen die USA nicht ihr Militär, sondern ihren Geheimdienst ein, um einen missliebigen Regierungschef abzulösen. Der Sozialist Salvador Allende hatte bei den Präsidentschaftswahlen am 4. September 1970 in Chile 36,3 Prozent der Stimmen errungen und wurde auf dieser schmalen Basis vom Parlament zum Präsidenten des Landes gewählt.

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Salvador Allende © imago

Er begann unverzüglich mit der entschädigungslosen Verstaatlichung der Bodenschätze – allen voran der Kupfervorkommen – und setzte die Enteignung von ausländischen Großunternehmen und Banken durch. Er wollte vor allem die ökonomische Abhängigkeit von den USA beseitigen, was ihn in Washington zum Staatsfeind Nr. 1 machte.

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Augusto Pinochet © imago

Am 11. September 1973 um 6.00 Uhr morgens begann der Putsch gegen Allende, indem die Flottenführung ihn zum Rücktritt aufforderte. Allende versuchte, den Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Augusto Pinochet, zu erreichen, der allerdings nicht mehr für ihn erreichbar war. Pinochet war die Marionette der CIA in Chile, wie Allende wenige Stunden später erfuhr.

Um 8.00 Uhr wurde eine Erklärung der Putschisten, die sich als Militärregierung bezeichneten, im Radio verlesen. Pinochet, der dann von 1973 bis 1990 regieren sollte, ließ jetzt die Maske fallen. Um 14.00 Uhr begann die Erstürmung des Präsidentenpalastes. Allende blieb im „Saal der Unabhängigkeit“ zurück – und beging dort Selbstmord.

Die Rolle der CIA wurde später in den USA präzise aufgeklärt. Der damalige US-Außenminister Henry Kissinger sagte früh schon, dass die Vereinigten Staaten „es nicht getan haben“ – er meinte den Tod Allendes –, aber dass sie „die größtmöglichen Voraussetzungen geschaffen haben“.

Fazit: Welches Szenario in Moskau nun zur Aufführung kommt, wird auch davon abhängen, ob sich im Umfeld des Kreml ein zweiter Jelzin findet; zu welchem Abenteuer die Amerikaner bereit sind und wie blutrünstig ein verletzter Putin zur Tat schreitet. Der Schriftsteller Albert Vigoleis Thelen konnte den heutigen Putin nicht kennen, aber er kannte die Reaktionen der Mächtigen auf ihren drohenden Machtverlust:

  Not macht breitbeinig. “

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© The Pioneer

Kapiteltrenner Russland-Update
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Jewgeni Prigoschin, Chef der Wagner-Truppe © imago

Nach dem Aufstand der Wagner-Söldner scheint Prigoschin Russland in Richtung Belarus verlassen zu haben. Der Wagner-Chef konnte mit Unterstützung des belarussischen Präsidenten Lukaschenko einen Deal einfädeln, der ihm und seinen Mitstreitern unter anderem Straffreiheit garantiert.

Die weiteren Ereignisse des gestrigen Tages im Überblick:

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Antony Blinken, US-Außenminister © dpa

16:13 Uhr: US-Außenminister Antony Blinken stellt die Machtposition von Wladimir Putin infrage: „Ich denke, man sieht Risse auftauchen, die vorher nicht da waren“, sagte Blinken im US-Sender CNN.

  Die Tatsache, dass es jemanden im Inneren gibt, der Putins Autorität direkt infrage stellt, direkt die Prämissen infrage stellt, auf deren Grundlage er diese Aggression gegen die Ukraine startete, das ist an sich schon etwas sehr, sehr Mächtiges. “

16:44 Uhr: China versichert Russland Unterstützung beim Erhalt der nationalen Stabilität. Das chinesische Außenministerium betonte allerdings, dass es sich bei dem Aufstand um eine innere Angelegenheit Russlands handle.

18:19 Uhr:Prigoschin ist jetzt in Belarus. Ob er da alt oder glücklich wird, werden wir sehen – oder ob er wie einige andere da plötzlich vom Balkon fällt“, spekuliert die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

22:23 Uhr: Litauens Präsident Gitanas Nauseda fordert eine weitere Stärkung der Nato-Ostflanke. Sollte Prigoschin mit unklaren Absichten im Exil in Belarus landen, müsse die Sicherheit der Ostgrenze erhöht werden, sagt das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes.

02:06 Uhr: Die ukrainischen Truppen erzielen Erfolge bei der Rückeroberung von Bachmut. Im Vergleich zum Vortag seien die Streitkräfte 600 bis 1000 Meter in der Nähe der Stadt Bachmut vorgerückt, sagt der Sprecher des ukrainischen Militärkommandos Ost, Serhij Tscherewatji.

05:30 Uhr: Nach mehr als 30 Stunden gibt es weiterhin keine Informationen über den Verbleib von Prigoschin. Die Wagner-Pressestelle erklärte, derzeit keinen Kontakt zu Priogoschin zu haben. Der russischsprachige Sender RTVi erhielt auf Nachfrage die Auskunft:

  Er lässt alle grüßen und wird auf Fragen antworten, wenn er wieder normalen Empfang hat. “

Kapiteltrenner Stichwahl

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Robert Sesselmann bei der AfD-Wahlparty. © dpa

Im thüringischen Landkreis Sonneberg wurde Robert Sesselmann von der AfD in einer Stichwahl zum Landrat gewählt. Sesselmann setzte sich mit 52,8 Prozent der Stimmen gegen seinen Kontrahenten Jürgen Köpper von der CDU durch. Damit ist Sonneberg bundesweit der erste Landkreis mit einem AfD-Landrat.

20230626-image-dpa-mb-Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender
Tino Chrupalla, AfD-Bundesvorsitzender © dpa

Tino Chrupalla – Bundessprecher der AfD – triumphierte:

  Das war erst der Anfang. So werden wir für Deutschland die Wende zum Guten erreichen! “

Björn Höcke
Björn Höcke, AfD-Landesvorsitzender Thüringen © dpa

Björn Höcke – AfD-Landesvorsitzender Thüringen – wirkte ebenfalls euphorisch:

  Wir bereiten uns für die Landtagswahlen im Osten vor, wo wir dann wirklich ein politisches Erdbeben erzeugen können. “

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Bodo Ramelow © imago

Bodo Ramelow – Linken-Ministerpräsident des Landes Thüringen – warb gestern Abend erneut für eine Neujustierung der deutschen Ostpolitik:

  Ich glaube, wir müssen den Geist der deutschen Einheit neu definieren, dass wir die Ostdeutschen mitnehmen und nicht das Gefühl auslösen, dass über sie gelacht wird oder über sie nur geredet wird. “
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Sören Pellmann © imago

Sören Pellmann – Linken-Ostbeauftragter – stimmte ihm zu:

  Das muss ein allerletzter Warnschuss für alle Bundestagsparteien sein. Insbesondere die Bundesregierung darf nicht länger eine Politik machen, die keine Probleme löst, sondern zusätzliche schafft. “

Fazit: Die Gründe für den AfD-Erfolg in Sonneberg sind universell. Anders gesagt: Sonneberg ist kein Unikum. Deshalb heißt es ab heute: Zuhören und Lernen. Die wichtigsten Organe zur Bekämpfung der AfD sind nicht Mund und Faust, sondern die beiden Ohren.

Kapiteltrenner CDU und FDP

Christian Lindner und Armin Laschet bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags in Düsseldorf 2017.
Christian Lindner und Armin Laschet bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags in Düsseldorf 2017. © dpa

Dass Union und FDP gut miteinander können und zusammen regieren wollen, wann immer es geht, war über Jahrzehnte hinweg eine politische Gewissheit. Doch der schwarz-gelbe Schulterschluss ist kein Selbstläufer mehr.

Die Liberalen regieren im Bund mit Rot-Grün, während die Union zum Zuschauen verdammt ist.

20221103-image-imago-mb-Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein
Daniel Günther, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein © imago

In Schleswig-Holstein hatte Ministerpräsident Daniel Günther im vergangenen Jahr die Wahl, mit den Grünen oder mit der FDP weiterzuregieren. Der CDU-Mann entschied sich gegen Schwarz-Gelb. Es war der vorläufige Höhepunkt einer langen Geschichte von Entfremdung und wachsendem Misstrauen.

Mein Kollege Rasmus Buchsteiner hat von einer vertraulichen Gesprächsrunde erfahren, die nun in Berlin die Wiederannäherung von Christdemokraten und Liberalen schaffen will – als Basis für die Zeit nach Ende der Ampel.

Wer mit am Tisch saß und was das Ziel dieser Gespräche ist, lesen Sie heute hier in unserem Politik-Teil.

Kapiteltrenner Janet Yellen

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Janet Yellen, US-Finanzministerin © imago

US-Finanzministerin Janet Yellen rechnet damit, dass in diesem Jahr noch mehrere Banken fusionieren werden. Sie führt dies auf die gestiegenen Zinsen und die jüngsten Unruhen in der Branche zurück, welche die Kosten für Banken, um ihre Einleger zu halten, in die Höhe getrieben haben. Außerdem fügte sie hinzu, dass der Anstieg der Zinsen für Einlagen auch die Rentabilität der Banken beeinträchtigt.

Allerdings rechnet Yellen nicht mit einer Rückkehr zur gleichen Instabilität wie im März. Dennoch könnten schwächere Gewinne im zweiten Quartal die Aktienkurse stark unter Druck setzen und einige Banken dazu zwingen, einen Käufer zu suchen.

Die US-Politikerin nannte dabei keinen konkreten Namen, verwies aber darauf, dass mehr Fusionen auch wiederum dazu führen, dass das Vertrauen in das System gestärkt werde und es für die Branche daher gesund sein könnte:

  Wir wollen sicherlich keine übermäßige Konzentration und sind für den Wettbewerb, aber das bedeutet nicht, dass wir keine Fusionen wollen. Wir haben in den USA relativ gesehen mehr Banken als in fast jedem anderen Land, das mir bekannt ist. “

Am Mittwoch wird die Fed zudem das Ergebnis zum US-Banken-Stresstest veröffentlichen, was den Äußerungen von Yellen zusätzliche Spannung verleiht.

Kapiteltrenner Deutsche Bahn
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Bahn-Vorstand Berthold Huber © imago

Die Bahn steckt in einer Pünktlichkeitskrise. Nur 65,2 Prozent der Fernzüge kamen im vergangenen Jahr zur richtigen Zeit an ihrem Ziel an – und auch das nur mit allerlei statistischen Tricks. Um das Netz zu modernisieren, plant die Bahn in den kommenden Jahren die größte Sanierungsoffensive in der Geschichte des Unternehmens.

Dass dies möglichst schnell passiert, ist die Mission von Berthold Huber. Er ist seit Juli 2022 Vorstand für Infrastruktur der Deutschen Bahn. Mein Kollege Christian Schlesiger hat mit ihm über die Sanierungspläne im Pioneer Podcast gesprochen. Das Angebot der Bahn komme inzwischen nicht mehr gut bei den Fahrgästen an, gesteht er ein:

  Wir müssen konsequent das Schienennetz sanieren, damit die Kunden wieder zufriedener werden können. “

Wieso nicht schon früher mit der Sanierung begonnen wurde?

  Ich habe zweifellos auch Fehler gemacht. Wir haben lange Zeit immer gehofft, dass wir das mit den knappen Mitteln, die es für die Infrastruktur gibt, irgendwie hinkriegen können. Wir haben zu spät klar gesagt: So geht es einfach nicht weiter. “
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Klick aufs Bild führt zur Podcast-Page.

Dafür braucht die Bahn zusätzliche Milliarden. Huber ist optimistisch, dass die Bundesregierung ihr diese Mittel zur Verfügung stellt:

  Ich gehe davon aus, dass wir zusätzlich 45 Milliarden bekommen. “

Die Alternative sei keine Alternative, erklärt er:

  Wenn es weniger Geld gibt, wird es auch – das gehört zur Ehrlichkeit dazu – weniger Eisenbahn geben. Dann werden wir die verkehrspolitischen Ziele neu diskutieren müssen. “

Kapiteltrenner Abhörung
20230123-image-dpa-pb-Aktivisten der Umweltschutzorganisation „Letzte Generation“ kleben sich auf einer Straße fest.
Aktivisten der Umweltschutzorganisation „Letzte Generation“ kleben sich auf einer Straße fest. © dpa

Das bayerische Landeskriminalamt hat Gespräche zwischen den Aktivisten der „Letzten Generation“ und Journalisten abgehört – das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf interne Unterlagen. Nach Recherchen der Zeitung wurden monatelang das offizielle Pressetelefon und die Handys einiger führender Personen abgehört.

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Protest Letzte Generation © dpa

Die Maßnahmen sollen auf Beschlüssen des Münchener Amtsgerichts beruhen. In Bayern wird gegen die Mitglieder der „Letzten Generation“ wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt.

Da auch Gespräche mit Journalisten abgehört wurden, ist nun zu klären, ob die Pressefreiheit als Fundamentalrecht unserer Verfassung gewahrt wurde. Das Abhören von Gesprächen mit Journalisten ist zwar nicht grundsätzlich verboten, jedoch an hohe rechtliche Hürden gekoppelt.

Kapiteltrenner Flugtaxi
20230626-image-dpa-pb-Elektrisch angetriebenes Flugtaxi Volocopter
Elektrisch angetriebenes Flugtaxi Volocopter © dpa

Zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris wird nicht nur auf den öffentlichen Personennahverkehr, sondern auch auf den städtischen Luftraum gesetzt. Mit elektrisch betriebenen Helikoptern vom deutschen Startup Volocopter will die französische Hauptstadt als erste Metropole der Welt ein Lufttaxinetz einweihen.

Die Pariser Politik nennt das Projekt, das fünf Plattformen der Stadt miteinander verbinden soll, ein Experiment. Insgesamt werden ein Dutzend der senkrecht startenden Flieger unterwegs sein, die Kapazität für zwei Personen haben – einer davon ist allerdings der Pilot. Für die Entwicklung von Mehrsitzern ist die Zeit zu knapp. Mit der Zulassung für den Zweisitzer rechnet Volocopter erst Anfang 2024.

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Volocopter-CEO Dirk Hoke © dpa

Was eine Fahrt dann kosten wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Nach Schätzungen könnte sich der Preis für eine Tour auf um die 110 Euro belaufen. Volocopter-CEO Dirk Hoke versprach bereits Subventionen.

Kommerziellen Erfolg verspricht man sich von dem Vorhaben, das vorerst wohl nur für den Zeitraum der Olympischen Spiele vorgesehen ist, ohnehin nicht. Vielmehr soll es für eine klimafreundlichere Zukunft stehen sowie ein Zeichen an die Konkurrenz sein. Hoke ist voller Euphorie:

  Wenn wir in Paris fliegen können, dann können wir überall fliegen. “

 Kapiteltrenner: Termine der Woche

Montag:

  • Das ifo-Institut veröffentlicht den Geschäftsklimaindex über die wirtschaftlichen Erwartungen für die nächsten sechs Monate.

 
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Annalena Baerbock © imago
  • Treffen der EU-Außenminister in Brüssel zu einer Besprechung über die Lage in Russland nach den jüngsten Ereignissen.

  • Die deutsche Bundesbank veröffentlicht den wirtschaftlichen Bericht für den Monat Juni.

Dienstag:

20230228-image-imago-pb-Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank © imago
  • Die Notenbankkonferenz der Europäischen Zentralbank geht über die Bühne.

  • Der niederländische Premier Mark Rutte und Nato-Chef Jens Stoltenberg laden zum Vorbereitungstreffen für den Nato-Gipfel im Juli, unter anderem mit dabei sind Polen, Norwegen und Belgien.

  • Das Treffen der Finanzminister aus Deutschland, Polen und Frankreich im Rahmen des Weimarer Dreiecks findet statt.

Mittwoch:

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Jerome Powell © dpa
  • Die US-Notenbank Fed veröffentlicht die aktuellen Daten zum US-Banken-Stresstest.

  • Das DIW veröffentlicht Zahlen zum Konjunkturbarometer.

  • Die EU-Kommission legt einen ersten Gesetzesvorschlag für den digitalen Euro vor.

Donnerstag:

  • Das Statistische Bundesamt gibt die erste Schätzung für die Inflationsrate für Juni 2023 bekannt.

 
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John Donahoe, CEO von Nike © dpa
  • Nike und H&M veröffentlichen ihre Quartalszahlen.

  • Der Pharmakonzern Sanofi lädt zum Investors Day.

Freitag:

  • Eurostat veröffentlicht den offiziellen Verbraucherpreisindex für die Eurozone im Monat Juni. Erwartet wird ein Rückgang auf 5,6 Prozent.

  • Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die aktuellen Einzelhandelsumsätze. Prognostiziert wird ein Rückgang von 6,7 Prozent.

  • Die Daten zum Einkaufsmanagerindex für China werden von der China Federation of Logistics and Purchasing veröffentlicht.

  • Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht ihren Arbeitsmarktbericht für Juni 2023.

Kapiteltrenner JFK
John F. Kennedy
John F. Kennedy © dpa

Es ist eine der berühmtesten Reden der Weltgeschichte: Heute vor 60 Jahren – am 26. Juni 1963 – stand der US-Präsident John F. Kennedy auf den Treppen des Schöneberger Rathauses in West-Berlin und sprach auf Deutsch mit amerikanischem Akzent seinen legendären Satz:

  Ich bin ein Berliner! “

Die Vorgeschichte: Kennedy befand sich im Juni 1963 auf einer viertägigen Reise durch die Bundesrepublik. Neben Städten in Westdeutschland stand auch der Besuch West-Berlins auf der Agenda. Hier sollte er unter anderem eine Rede anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Berliner Luftbrücke halten, die zwischen 1948 und 1949 West-Berlin über den Luftraum mit Lebensmitteln versorgte, nachdem die Sowjetunion die Versorgungswege in die geteilte Stadt blockiert hatte.

20230626-image-dpa-pb-John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin
John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin am 26. Juni 1963 © dpa

Mehrere Hunderttausend Menschen erschienen, um den US-Präsidenten sprechen zu hören, dessen Rede Hoffnung und das Gefühl von Sicherheit auslöste. Er versprach, dass man auf die Unterstützung der USA setzen kann und dass West-Berlin nicht der Sowjetunion überlassen werde.

  All free men, wherever they may live, are citizens of Berlin, and, therefore, as a free man, I take pride in the words ‚Ich bin ein Berliner.‛ “

20230626-image-dpa-pb-John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin am 26. Juni 1963
John F. Kennedy während seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin am 26. Juni 1963 © dpa

Die Idee, mit dem deutschen und bedeutungsschweren Satz seine Rede zu beenden, hatte Kennedy selbst. Nur hatte er keinerlei Deutschkenntnisse. So übte er den Satz mehrfach und sein Dolmetscher notierte ihn für Kennedy in Lautschrift auf einem Zettel – dort stand:

  Ish bin ein Bearleener “
20230626-image-Bild-pb-Bild-Zeitung vom Juni 1963
Bild-Zeitung vom Juni 1963 © Bild

Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie auf das Herzlichste,

Ihr

Signatur Gabor Steingart
Gabor Steingart
Herausgeber The Pioneer

Redaktion

Lukas Herrmann (Leitung), Daniel Bayer, Till Henniges

Außerdem mitgewirkt haben heute Christian Schlesiger, Claudia Scholz, Maximilian Stascheit, Anne Schwedt und Julia Rottmann.

Grafiken

Nils Lang (Daten), Julian Sander (Titelbild)

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