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03.07.2023
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Guten Morgen Detlef Karl Klein,

zuweilen beschleicht einen das unheimliche Gefühl, nicht SPD, CDU, FDP oder die Grünen regieren den Staat, sondern der Staat regiert sich selbst. Alle für die Zukunft relevanten Themengebiete – der Klimaschutz, die Arbeitsmigration, der Wohnungsmarkt und die Künstliche Intelligenz – werden, kaum hat die Politik das Tor geöffnet, von einer Armee der Bürokraten besetzt.

265670875-image-dpa-mb-Die Ampel-Koalition
Die Ampel-Koalition © dpa

Diese leben davon, dass sie Anträge entwerfen, verteilen, einsammeln, bewerten, genehmigen, ablehnen und immer so weiter. Bis zu sieben Prozent des Umsatzes einer Firma – also das Doppelte der durchschnittlichen Gewinnmarge – müssen laut Berechnungen des Normenkontrollrates heute für Bürokratie ausgegeben werden. Der sogenannte „Erfüllungsaufwand“ steigt permanent, denn Bürokraten lieben Bürokraten. Sie sehen überall Regulierungsbedarf:

  • Knapp 10.000 gesetzliche Informationsverpflichtungen mit einer Gesamtbelastung der Unternehmen von jährlich knapp 50 Milliarden Euro für diesen „Erfüllungsaufwand“ hat der Normenkontrollrat der Bundesregierung gemessen.

  • Jedes Jahr kommen 350 bis 400 Entwürfe für zusätzliche Gesetze und Verordnungen hinzu.

Es ist eine lautlose Macht, die da im Inneren unserer Staatlichkeit wirkt. Aus Gründen der Tarnung verzichtet sie auf alle Symbole der Machtergreifung. Keine Barrikade brennt. Keine Guillotine schneidet Kehlen durch. Es donnern keine Kanonen. Nur ewig raschelt das Papier.

Die Bürokratie zwingt den Bürger in den Status eines Untertanen. Es findet eine alltägliche Freiheitsberaubung statt, die nicht nur die Unternehmerfreiheit, sondern – und da wird die Geschichte politisch brisant – auch den Spitzenpolitiker seiner Durchschlagskraft beraubt.

20230702-image-dpa-mb-Gerhard Schröder
Gerhard Schröder © dpa

Angefangen beim Reformkanzler Gerhard Schröder – dessen einfaches Motto „fördern und fordern“ durch die Arbeitsmarktgesetze für Hartz IV in ein kafkaeskes System von Belohnung und Bestrafung verwandelt wurde – gibt es heute keinen Spitzenpolitiker, der seine Ziele wirklich noch erreicht. Die Bürokratie schrumpft die Demokratie:

Beispiel Wohnungsbau: Die Politiker sehen, spüren und adressieren das Thema. Sie wissen, dass die Wohnungsnot, die mit jedem Zugezogenen eine Verschärfung erfährt, einen politischen Gärungsprozess vorantreibt, der bis zu ihrer Marginalisierung führen kann.

 
Das Neubautendefizit
Anzahl der Baufertigstellungen seit 2008 und Schätzungen des ZDB, in Tausend
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In einer marktwirtschaftlich organisierten Immobilienwirtschaft würden jetzt neue Wohnungen und Häuser nur so aus dem Boden sprießen. Es wäre für den Kanzler ein Leichtes, sich sein Versprechen von den zusätzlichen 400.000 Wohnungen pro Jahr von den Wohnungsbaugesellschaften erfüllen zu lassen – trotz steigender Refinanzierungskosten.

Aber es herrscht keine Marktwirtschaft mehr. Rund 3.700 Normen sind für das Bauen in Deutschland relevant. Eine schier undurchdringliche und noch dazu kostspielige Bau-Bürokratie hat sich gebildet, die alle Prozesse beherrscht und im Bermudadreieck von Mieterschutz, Klimaschutz und Denkmalschutz jede Rentabilität versenkt.

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Olaf Scholz © imago

Das Versprechen von Olaf Scholz wird vor aller Augen entwertet. Seine 400.000 Wohnungen bleiben eine Illusion.

Beispiel Verkehr: Verbotsschilder, Vorschriftzeichen, Gefahrzeichen, Richtzeichen, Verkehrslenkungstafeln, Hinweisschilder, Wegweiser und Zusatztafeln: Mittlerweile stehen Verkehrsschilder im Wert von 2,5 Milliarden in der Bundesrepublik herum. Der Verkehr wird obsessiv reguliert, nur der von den Politikern versprochene und von den Bürgern gewünschte Umstieg auf klimafreundliche Antriebe klappt nirgendwo und am schlechtesten bei der Staatsbahn.

Hier feiert der Staat das Festival seiner Unfähigkeit. Nicht mal die Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene kommt voran. Die einzigen beiden Aggregate, die bei der Staatsbahn zulegen, sind die Verschuldung und die Verspätung.

Die Politik verbietet ab 2035 den Verbrennermotor, aber kann bei der Elektrifizierung des deutschen Straßennetzes keine Erfolge vorweisen. Der Anteil der erneuerbaren Energie im Verkehrswesen liegt nach den aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes unter sieben Prozent und hat sich seit 15 Jahren nicht positiv entwickelt.

 
Energiewende: Stagnation im Verkehrssektor
Anteil der erneuerbaren Energien in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr seit 1990, in Prozent.
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Beispiel Migration: Arbeitsminister Hubertus Heil und der Bundeskanzler wissen, dass die Bundesrepublik dringend qualifizierte Zuwanderung braucht. Allein bis zum Jahr 2025 wird das Arbeitskräftepotenzial altersbedingt um zwei Millionen Menschen kleiner werden, bis zum Ende des Jahrzehnts 2030 um mehr als 4,5 Millionen Menschen. Seit Jahren werden daher immer wieder Änderungen am Einwanderungsgesetz vorgenommen. Die Wirkung? Ernüchternd.

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Hubertus Heil © imago

 
Die Erwerbsbevölkerung schrumpft
Indexierte Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in Deutschland.
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Wie eine ZEW-Studie zeigt, hat sich die Arbeitsmarktintegration in den letzten Jahren mit jeder Reform nur weiter verschlechtert.

  • Migranten aus dem EU-Ausland weisen bei der Ankunft eine um rund 40 Prozentpunkte niedrigere Beschäftigungswahrscheinlichkeit gegenüber Einheimischen auf.

 
Zuwanderer: Arbeitsmarktintegration bleibt schwierig
Beschäftigungslücke zwischen Migrantengruppen und Einheimischen seit der Einwanderungen, in Prozent.
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  • Der Langzeitvergleich zeigt, dass sich in den letzten 50 Jahren die Arbeitsmarktchancen weiter verschlechtert haben. Die Beschäftigungsquote von neu Zugewanderten sank in diesem Zeitraum um 11 Prozent.

Beispiel Energiewende: Im Jahr 2022 stammten nach den Berechnungsvorschriften der EU-Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien 80 Prozent des deutschen Energieverbrauchs aus fossilen Energieträgern. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Anteil der Erneuerbaren um lediglich 1,2 Prozentpunkte. Der weitere Ausbau ist ins Stocken geraten, weil bürokratische Genehmigungsverfahren ihn behindern.

 
Energiemix 2022: Fossile Energie im Wachstum
Primärenergieverbrauchsmix 2022 und Veränderung im Vergleich zu 2021 in Deutschland, in Prozent
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Strenge Abstandsregeln machen den Zubau der Windräder fast unmöglich. Zwei Prozent der deutschen Fläche sollen laut Gesetz bis Ende 2032 der Windenergie gewidmet sein, aber die bürokratischen Regeln machen dieses Ziel unrealistisch. Derzeit sind 0,8 Prozent für Windkraftanlagen an Land ausgewiesen – allerdings sind nur 0,5 Prozent tatsächlich für Investoren verfügbar.

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Markus Söder © imago

In Bayern stehen heute nur 0,1 Prozent der Landesfläche für die Windkraft zur Verfügung. Schuld daran sind besonders strenge Abstandsregeln: Die „10-H-Regel“ sieht vor, dass der Abstand eines Windrades zu einer Wohnsiedlung mindestens das Zehnfache seiner Höhe betragen muss. Da moderne Windräder rund 200 Meter hoch sind, umfasst die Tabuzone also meist mehr als zwei Kilometer im Umkreis einer Gemeinde.

Außer an den Küsten von Nordsee und Ostsee sieht es nirgendwo besser aus. In Sachsen etwa sind nur 0,2 Prozent der Landesfläche für Windkraft freigegeben. Und in Nordrhein-Westfalen hat jüngst ein neues Gesetz die verfügbare Fläche weiter eingegrenzt. Dort müssen Windräder neuerdings den Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten halten, was auf diesem dicht besiedelten Gebiet Europas einem Baustopp gleichkommt.

Warum das alles wichtig ist?

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Renate Köcher © imago

Die bürokratische Dominanz fügt den demokratischen Politikern einen fortgesetzten Reputationsverlust zu. Ihre Worte klingen hohl, ihre Autorität schwindet. Die mangelnde Effizienz unseres Staates wird den Politikern zur Last gelegt, wie Renate Köcher, die Chefin des Allensbach Instituts ermittelt hat. In der „FAZ“ vom Samstag schrieb sie:

  Die wachsende Verunsicherung in Deutschland hat unter anderem mit dem Eindruck zu tun, dass die Leistungsfähigkeit des Staates unzureichend ist und sich weiter verschlechtert. “

Fazit: Die eigentlichen Gegner von Scholz, Lindner und Habeck sind nicht Alice Weidel oder Friedrich Merz, sondern es ist die deutsche Staatlichkeit. Der Versuch, den Stillstand durch immer neue Regulierungen zu überwinden, bekämpft den Zustand, indem es ihn verschlimmert. Der von den Politikern beschrittene Weg erinnert an eine Sackgasse. Oder wie der kolumbianische Essayist und Philosoph Nicolás Gómez Dávila zu sagen pflegte:

  Sterbende Gesellschaften häufen Gesetze an wie die Sterbenden Heilmittel. “

Kapiteltrenner Frankreich-Update

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Schwere Proteste in Frankreich © dpa

Nach dem tödlichen Schuss eines Polizisten auf einen 17-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle im Pariser Vorort Nanterre am Dienstag kam es in weiten Teilen Frankreichs zu starken Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Wie kam es zu dem tödlichen Polizei-Schuss?

Wie ein verifiziertes Video belegt, schien die Situation bei der Verkehrskontrolle nicht hektisch zu sein. Als jedoch der 17-jährige Nahel M., dessen Familie aus Algerien stammt, am Steuer plötzlich losfährt, feuert ein Beamter aus nächster Nähe auf den Jugendlichen und trifft ihn tödlich in die Brust. Der mutmaßliche Schütze sitzt in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen Totschlagverdachts ermittelt.

Hier die neuesten Entwicklungen zu den landesweiten Ausschreitungen:

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Emmanuel Macron © imago
  • Der französische Präsident Macron verschiebt einen geplanten Staatsbesuch in Deutschland aufgrund der anhaltenden Proteste. Er will sich mit führenden Abgeordneten des französischen Parlaments und mit mehr als 220 Bürgermeistern von Gemeinden treffen, die von den Unruhen betroffen sind.

  • In der Nacht zum Sonntag hatte die Gewalt bereits angefangen, ein bisschen nachzulassen. Laut vorläufiger Bilanz des Innenministeriums wurden in der Nacht 719 Menschen festgenommen; 45 Polizisten und Gendarme seien verletzt worden; 577 Fahrzeuge und 74 Gebäude seien in Brand gesetzt worden. Seit Anfang der Proteste gab es bereits mehr als 3.000 Festnahmen, darunter auch viele Minderjährige

  • In der Nacht zum Montag waren wieder 45.000 Polizisten auf Frankreichs Straßen im Einsatz. Es gab es zwar wieder einige Krawalle, etwa in Lyon, wo die Polizei gegen eine rechtsextreme Gruppe Tränengas einsetzte. Gemessen an den heftigen Unruhen der vergangenen Tage blieb es aber relativ ruhig.

  • Die Großmutter von Nahel rief am Sonntag in einem Interview zum Ende der Unruhen auf. Die Randalierer hätten ihren 17 Jahre alten Enkel, der von einem Polizisten erschossen worden war, „als Vorwand genommen“.

 
  Die Leute, die gerade etwas kaputt machen, denen sage ich: „Hört auf“. Macht keine Fenster, Busse ... Schulen kaputt. Wir wollen, dass sich die Dinge beruhigen. “

Kapiteltrenner Frag selbst!

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Olaf Scholz und Tina Hassel © dpa

Bevor Tina Hassel gestern Nachmittag zum ersten Sommerinterview mit Olaf Scholz ansetzen durfte, waren die Bürger an der Reihe. Im Online-Format „Frag selbst!“ sammelte die ARD auf ihren Social-Media-Kanälen im Vorfeld Fragen, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios stellte sie dem Bundeskanzler.

Bei der Wohnungsnot machte Scholz eine hilflose Figur. Er konnte nur um Geduld bitten:

  Jetzt sind viele Dinge dazugekommen, mit teureren Baupreisen, mit Lieferketten, die nicht ordentlich funktioniert haben, die Zinsen sind plötzlich gestiegen. Aber das darf uns nicht davon abbringen. Damit das klappt, haben wir die Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau auf 14 Milliarden Euro angehoben. “

An seinem Ziel will er festhalten – jedoch ohne Zeitangabe:

  Wir wollen diese Zahl, 400.000 Wohnungen im Jahr, erreichen und dann nicht wieder davon wegkommen. “

Kapiteltrenner Sommerinterview
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Olaf Scholz bei Tina Hassel © imago

Direkt im Anschluss wurde es für den Bundeskanzler keineswegs angenehmer. Nun musste er sich gegenüber Tina Hassel erklären: Der Auftakt der diesjährigen Sommerinterviews der ARD.

Dafür, dass Präsident Macron seinen Besuch in Deutschland absagen musste, zeigte Scholz Verständnis:

  Das hätte ich genauso gemacht. “

Über das Heizungsgesetz hatte die Regierung lange gestritten. Das sei angesichts der vielen Positionen der Menschen in Deutschland „notwendig“ gewesen. Die Stimmung in der Koalition sei aber weiterhin positiv:

  Das Menschliche funktioniert. Das ist ja schon mal eine gute Grundlage. “

Dennoch hat der Kanzler Verbesserungswünsche:

  Ich wünschte mir schon, dass manche Diskussionen leise stattfinden, dass sie deshalb weniger lange stattfinden, wenn es so schwierige Probleme sind. “

Zur Kritik an dem Gesetz erwidert Scholz:

  Wir wollen die Klimaziele erreichen und wir können die Ziele auch erreichen. Aber wir machen das auf eine Weise, bei der die Bürgerinnen und Bürger mitgehen können. “
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Alice Weidel © imago

Angesprochen auf die hohen Umfragewerte der AfD sagte er:

  Rechte populistische Schlechte-Laune-Parteien hat es immer gegeben, in vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland. “

Das Rezept dagegen sei, eine gute Zukunftsperspektive für das Land zu bieten. Diese sei aber nicht mit der AfD zu erreichen:

  Damit wir eine gute Zukunft haben, damit unser Arbeitsmarkt funktioniert, damit unsere Wirtschaft wächst, werden wir gute Arbeitskräfte von außerhalb Deutschlands brauchen. Sonst sind die Renten nicht sicher. Und das muss man und darf man auch überall in Deutschland sagen und muss sich dem Streit stellen. “

Kapiteltrenner Heizungsgesetz

Die Ampel-Parteien haben sich endlich auf ein Gebäudeenergiegesetz geeinigt. Mein Kollege Thorsten Denkler hat das Gesetz gelesen, verstanden und für Sie zusammengefasst.

Was kommt auf Sie zu? Was ist neu? Lohnt sich Gas noch? Unsere Fragen und seine Antworten zum Heizungsgesetz lesen Sie hier:

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Alles, was Sie über das neue Heizungsgesetz wissen müssen
Wie viel Geld gibt es vom Staat? Darf ich jetzt mit Wasserstoff heizen? 10 Fragen, 10 Antworten. Von Thorsten Denkler.
Analyse lesen

Kapiteltrenner Halbzeit
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Annalena Baerbock © imago

Der Bundestag startet heute in die letzte Sitzungswoche vor der Sommerpause. Mein Kollege Rasmus Buchsteiner hat einen genauen Blick in die Parlamentsstatistik geworfen: 163 Gesetze hat der 20. Deutsche Bundestag bisher verabschiedet. Die meisten Reden hat der Linken-Politker Ralph Lenkert gehalten. Er stand 69 Mal vorne am Pult. Unter den Kabinettsmitgliedern liegt Außenministerin Annalena Baerbock mit 24 Reden vorn.

Wer die meisten Rügen erhielt, lesen Sie in unserem Newsletter Hauptstadt Das Briefing.

Kapiteltrenner Apple

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Apple-CEO Tim Cook © imago

Der steile Aufstieg des Apple-Imperiums geht weiter. Als erstes börsennotiertes Unternehmen der Welt hat der iPhone-Hersteller am Freitag den Handelstag mit einem Marktwert von über drei Billionen Dollar abgeschlossen. Die Apple-Aktie schloss mit einem Plus von 2,3 Prozent bei 193,97 Dollar – damit wurde ein Marktwert von 3,04 Billionen Dollar erreicht. Das Unternehmen aus Cupertino legte alleine in diesem Jahr um mehr als 983 Milliarden Dollar an Wert zu.

 
Apple: Der 3-Billionen-Konzern
Marktkapitalisierung von Apple seit 2001, in Billionen US-Dollar
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Das von Steve Jobs, Steve Wozniak und Ronald Gerald Wayne gegründete Unternehmen schaffte es bereits im Januar 2022 an aufeinanderfolgenden Tagen kurzzeitig diese magische Grenze zu überschreiten, konnte den Wert aber nicht bis zum Börsenschluss halten. Das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen ist derzeit Microsoft mit 2,5 Billionen Dollar.

Die Analysten der Investmentbanken bleiben, trotz dieser historisch einmaligen Bewertung, optimistisch:

Von derzeit 38 aktuellen Experteneinschätzungen raten 32 Analysten zum Kauf weiterer Apple-Papiere. Dan Ives, leitender Aktienanalyst bei der bekannten US-Investmentbank Wedbush Securities prognostiziert einen weiteren Anstieg auf vier Billionen Dollar Marktkapitalisierung bis 2025.

 Kapiteltrenner: Termine der Woche

Montag:

  • Die Energie-, Umwelt- und Wirtschaftsminister der Bundesländer treffen sich in Berlin. Im Mittelpunkt stehen Themen rund um eine sichere und bezahlbare Energieversorgung.

 
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Siegfried Russwurm © imago

  • Der „Frankfurt Euro Finance Summit“ startet, u. a. mit Rednern wie Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und BDI-Präsident Siegfried Russwurm.

  • Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius reist nach Polen.

Dienstag:

  • Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Exportzahlen für den Monat Mai 2023.

  • Das Gipfeltreffen der Regierungschefs des Wirtschaftsbündnisses Mercosur aus Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay findet zum Thema „Freihandelsabkommen mit der EU“ statt.

Mittwoch:

  • Das FOMC Protokoll der vergangenen Fed-Sitzung wird veröffentlicht und gibt Aufschluss über die kommende Geldpolitik.

 
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Joachim Nagel © imago
  • Das Bundesbank-Symposium „Bankenaufsicht im Dialog“, u. a. mit Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und BaFIN-Präsident Mark Branson, findet statt.

  • Das Statistische Bundesamt feiert mit Festakt sein 75-jähriges Bestehen.

Donnerstag:

  • Eurostat veröffentlicht die Daten zu den Einzelhandelsumsätzen in der Eurozone für den Monat Juni.

 
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Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes © dpa

  • Das Statistische Bundesamt präsentiert den Auftragseingangs- und Umsatzindex für das verarbeitende Gewerbe für Mai 2023.

Freitag:

  • Das US Department of Labor veröffentlicht die Zahlen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den USA.

  • Das Statistische Bundesamt veröffentlicht den Produktionsindex für Mai 2023.

Kapiteltrenner: Pioneer-Podcast

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Antisemitische Vorfälle in Deutschland auf einem Rekordhoch © dpa

Die Fälle „extremer Gewalt“ gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland standen 2022 mit neun Fällen auf einem Rekordhoch, wie der Antisemitismusbericht 2022, der vergangene Woche erschienen ist, zeigt. Dazu zählen etwa ein Brandanschlag in Bochum und Schüsse auf das Rabbinerhaus der Alten Synagoge in Essen.

Aber auch Beschimpfungen, Drohungen und Anschläge gehören für viele Jüdinnen und Juden zum Alltag. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 2.480 antisemitische Vorfälle in Deutschland registriert.

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Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden © imago

Mein Kollege Michael Bröcker hat mit Dr. Josef Schuster gesprochen, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden. Seine Großeltern sind vor den Nazis in das damalige Palästina geflüchtet, später ist seine Familie nach Deutschland zurückgekehrt. Dr. Schuster wuchs in Würzburg auf und lebt bis heute noch dort.

Über die Lage der Jüdinnen und Juden in Deutschland sagt er:

  Man fühlt sich als Jude in Deutschland nicht mehr super wohl. “

Die Wahl eines AfD-Politikers zum Landrat in Thüringen stelle für ihn einen „Tabubruch“ dar. Das sei für ihn ein größeres Problem als importierter Antisemitismus aus dem Ausland:

  Nach der Zuwanderungswelle 2015/2016 hat der arabischstämmige Antisemitismus nicht wesentlich zugenommen. Die erheblich größere Bedrohung sehe ich im rechtsextremen Milieu. “

Wie also gegen den Antisemitismus vorgehen?

  Ich sehe den Kampf gegen den Antisemitismus primär nicht als Aufgabe der Juden in Deutschland, sondern der Mehrheitsgesellschaft. “
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Klick aufs Bild führt zur Podcast-Page.

Sein Vorschlag:

  Gegen Antisemitismus helfen drei Dinge: Bildung, Bildung und nochmal Bildung. Und zwar Bildung, die frühkindlich beginnen muss. Denn was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. “

Kapiteltrenner: Literaturpreis
415363513-image-dpa-mb-Valeria Gordeev, Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2023
Valeria Gordeev ist die diesjährige Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises © dpa

Mit der KurzgeschichteER PUTZT“ hat die Tübingerin Valeria Gordeev den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt gewonnen. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum.

Gordeev studierte Mathematik und Illustration in Berlin sowie literarisches Schreiben in Leipzig. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin arbeitet die Preisträgerin unter anderem als Liedtexterin und Illustratorin. Seit einigen Jahren schreibt sie an ihrem Debütroman, der sich unter anderem mit dem Russland der Gegenwart auseinandersetzt. Ihre Eltern emigrierten Ende der 1970er-Jahre aus der Sowjetunion.

In ihrer Kurzgeschichte „ER PUTZT“ beschreibt Gordeev mit sprachlich mikroskopischer Genauigkeit den Putzwahn eines neurotischen jungen Mannes, der das Putzen zur Kunst erhebt.

  ER PUTZT. Putzt die Spüle, putzt den Abfluss, nimmt das Abflusssieb heraus und reinigt die Unterseite des Abflusssiebs. Er schraubt das Abflusssieb auseinander, hebt den Gummiring an und entfernt den faulig darunter hervorkriechenden Schmutzrand. “

Mit kurzen, klaren, mit ehrlichen Sätzen beschreibt Gordeev eine Szenerie, die so präzise ist, dass der Unterschied zwischen dem Lesen der Geschichte und dem Anschauen eines Bildes fast nicht mehr existent ist:

  Der Wasserhahn. Typische Kalkflecken, scharfkantig umkrustete, matt versprenkelte, weiße, durchscheinende Flecken. Jeder Fleck ein getrockneter Wassertropfen. Oberflächenspannung. Die mineralischen Bestandteile sinken zu Boden und bilden eine Ablagerungsschicht, kristalline Strukturen, ein Zeichen der Wassergüte. “

415363513-image-bachmannpreis-mb-Thomas Strässle
Juror Thomas Strässle © bachmannpreis

Mit ihren thematisch scheinbar einfachen, aber literarisch komplexen Ausführungen konnte Gordeev mit seltener Einigkeit die Jury überzeugen. Juror Thomas Strässle:

  Ich will bekennen, ich bin von diesem Text begeistert. Ein kolossal guter Text. Mit welcher Präzision alles sprachlich abgebildet wird, finde ich großartig gelungen. “

Die Jury-Vorsitzende Insa Wilke lobte die Geschichte als „Plädoyer für die Empfindlichkeit“.

Dass Gordeev die Auszeichnung gewonnen hat, „war wenig überraschend, aber verdient“, schreibt die ZEIT:

  Trotz seiner Präzision ist Valeria Gordeevs Text nicht kalt. Er ist subtil und auf die denkbar dezenteste Weise auch politisch. “

Ich wünsche Ihnen einen gut gelaunten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie auf das Herzlichste,

Ihr

Signatur Gabor Steingart
Gabor Steingart
Herausgeber The Pioneer

Redaktion

Lukas Herrmann (Leitung), Daniel Bayer

Außerdem mitgewirkt haben heute Anne Schwedt und Maximilian Stascheit.

Grafiken

Nils Lang (Daten), Henning Schmitter (Titelbild)

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