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20.10.2023
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Guten Morgen Detlef Karl Klein,

wäre Olaf Scholz nicht Regierungschef, sondern ein Mineralwasser, stünde auf dem Etikett „non-sparkling“.

Mit einer geradezu provokanten Sturheit stapfte der Kanzler durch die Probleme des deutschen Arbeitsmarktes, ohne sie auch nur zu berühren. Was gestern die Massenarbeitslosigkeit war, ist heute der Fachkräftemangel. Die Firmen rufen, jammern, flehen. Aber der Bundeskanzler spielt stilles Wasser: Da zischt und sprudelt nichts.

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Olaf Scholz © imago

Der Staat, so der Wunsch der Firmenchefs, müsse die Einwanderung der Hochqualifizierten erleichtern und Berufsabschlüsse schneller anerkennen.

 
Deutschland: Die Geschichte des Fachkräftemangels
Entwicklung der Fachkräftelücke nach Qualifikationsniveau
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Dabei gebe es eine andere, deutlich schlichtere Lösung gegen die Knappheit: mehr arbeiten.

Warum das wichtig ist? Weil ohne Extra-Aufwand die Fachkraft von morgen aussieht, wie die Fachkraft von heute. Viele Leistungsträger – das kommt hinzu – würden gerne Überstunden leisten, wenn sie denn wüssten, dass sie dafür belohnt und nicht extra hart geschröpft würden.

Doch der massenhaften Mehrarbeit steht ein rigides deutsches Steuersystem entgegen. Von jedem Euro, den ein Arbeitnehmer zusätzlich verdient, zieht der Bund einen Großteil wieder ab. Je mehr ein Arbeitnehmer verdient, desto härter schlägt die Progression des Steuertarifs zu. Das deutsche Steuersystem wirkt wie eine Strafsteuer auf Mehrarbeit.

Der amerikanische Thinktank „Tax Foundation“ und die deutsche Denkfabrik „Prometheus“ haben genau das untersucht, sie veröffentlichen jährlich den „Index der internationalen Steuerwettbewerbsfähigkeit“.

In dem Index heißt es zur Besteuerung von Arbeit:

  Hohe persönliche Steuertarife machen Zusatzarbeit teurer – was die relativen Kosten der Nichtarbeit senkt. “

Kaum ein Land belastet Arbeit so stark wie Deutschland. Dies geht aus der Studie hervor, die ThePioneer exklusiv vorliegt. „Deutschland hat eine extrem hohe Belastung von Arbeitseinkommen: der durchschnittliche alleinstehende Arbeiter trägt eine Gesamtabgabenbelastung von 47,8 Prozent”, heißt es in dem Papier.

Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern hat nur Belgien eine höhere Gesamtbelastung (53 Prozent der Lohnkosten eines Durchschnittsverdieners).

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Alexander Mengden, Analyst der Tax Foundation © LinkedIn/Alexander Mengden

Fazit von Alexander Mengden, Analyst der Tax Foundation und Autor des Papiers:

  Die hohe Abgabenlast in Deutschland schwächt die Arbeitsanreize und verschärft dadurch den Fachkräftemangel. Arbeitnehmer werden demotiviert, mehr zu arbeiten. “

Estland zum Beispiel setzt in der Spitze auf einen maximalen Steuertarif in Höhe von 21,6 Prozent – und kommt im Ranking, das auch die Komplexität des Steuersystems und Verzerrungen etwa durch die Kapitalertragsteuern berücksichtigt, auf den ersten Platz.

Zwar gibt es in Deutschland Freibeträge bei Überstunden. Aber nur für die ersten zehn Überstunden im Monat gibt es maximal 50 Prozent des Grundlohns und höchstens 86 Euro steuerfrei.

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CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann © imago

Die CDU will Zusatzarbeit attraktiver machen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagt:

  Der Staat sollte mehr Leistung belohnen: Wer mehr als 40 Stunden arbeitet, sollte auf die Zusatzstunden keine Steuern mehr bezahlen. Es fielen dann nur noch Sozialabgaben an. “

Christian Lindner
Christian Lindner © Anne Hufnagl

Auch im FDP-Programm findet sich diese Forderung:

  Heute steigt die Steuerlast bei kleinen und mittleren Einkommen besonders schnell an. Von Gehaltserhöhungen greift sich der Staat mehr als die Hälfte. Das ist leistungsfeindlich und ungerecht. “

 
Deutschland: Weniger Überstunden
Bezahlte und unbezahlte Überstunden der Arbeitnehmer in Deutschland seit 2000, in Millionen Stunden
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20230814-image-imago-pb-Gerhard Schröder auf dem SPD-Parteitag in Hannover
Gerhard Schröder auf dem SPD-Parteitag in Hannover © imago

Bundeskanzler Scholz aber weigert sich, anders als damals Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Verkrustungen auf dem Arbeitsmarkt zu seinem Thema zu machen. Er hört die Klagen. Aber er reagiert nicht. Er sieht die Not. Aber er beseitigt sie nicht.

Dabei müsste er nur auf die europäischen Nachbarländer schauen, um zu lernen, wie man pragmatisch auf die demographische Dürre am Arbeitsmarkt reagiert:

Beispiel Frankreich

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Emmanuel Macron © imago

Genau den Schritt, den CDU und FDP fordern, ist Frankreich bereits vor Jahren gegangen: 2019 hat der französische Staat die Regelung eingeführt, dass Überstunden von Steuern und Abgaben befreit werden.

Das bedeutet konkret, dass Überstunden für die Arbeitnehmer von Sozialabgaben und Steuern befreit sind, sodass die Arbeitnehmer netto mehr übrig haben. Diese Steuerbefreiung gilt bis zu einem Höchstbetrag von 5.000 Euro pro Jahr.

Frankreichs Arbeitgeber müssen laut Gesetz ihre Arbeiter bei Überstunden sowieso schon mit 125 Prozent Vergütung entlohnen, seit 2019 ist der Anreiz zum längeren Arbeiten noch stärker. Die Wirkungen davon sind enorm: Die Franzosen arbeiteten im vergangenen Jahr im Durchschnitt etwa 150 Stunden mehr als die Deutschen.

Beispiel Österreich

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Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer © imago

Bislang war die Regelung der Freibeträge in Österreich ähnlich wie in Deutschland. Höchstens zehn Überstunden im Monat mit 50 Prozent beziehungsweise maximal 86 Euro waren steuerfrei.

Vergangenen Monat entschloss sich die österreichische Regierung zur Kurskorrektur: Das Kabinett legte fest, dass der monatliche Freibetrag für dann 18 Überstunden gelten und bis zu 200 Euro im Monat betragen soll. „Wir entlasten diejenigen, die viel leisten", sagte der österreichische Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), der die Maßnahme auch als sinnvoll im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Arbeitskräftemangel ansieht.

Beispiel Slowakei

20231020-image-imago-pb-Eduard Heger, Ministerpräsident der Slowakei
Eduard Heger, Ministerpräsident der Slowakei © imago

Die Slowakei stellte im Jahr 2004 ihr Steuersystem komplett um und führte eine sogenannte Flat Tax ein. Statt eines Anstiegs der Steuerquote mit der Höhe des Einkommens gibt es nun einen fixen Steuersatz.

Konkret wurde die Einkommensteuer radikal von fünf auf eine einzige Steuerklasse reduziert: Statt 10, 20, 28, 35 oder 38 Prozent zahlen die Slowaken nur noch 19 Prozent Steuer auf ihr Einkommen.

Den Arbeitnehmern wird so eine komplizierte Steuererklärung abgenommen. Und sie werden zur Arbeit motiviert, weil sie mit steigendem Einkommen keine höheren Abgaben befürchten müssen. Um den Wegfall der Steuereinnahmen zu kompensieren, strich der slowakische Staat Steuervergünstigungen und erhöhte die Mehrwertsteuer.

Die Einfachheit eines Steuersystems ist laut Prometheus-Studie ein Wert an sich. Deutschland leiste sich mit dem Solidaritätszuschlag neben Japan, Korea und Luxemburg als fast einziges Land eine Zusatzsteuer auf das Einkommen, die den Grenzsteuertarif eines Singles ab einem Einkommen von 65.000 Euro um 2,5 Prozentpunkte auf 47,5 Prozent erhöht. Die Strafsteuer auf Arbeit wird dadurch verschärft.

Fazit: Das progressive deutsche Steuersystem hält Menschen von der Arbeit ab – insbesondere von der Mehrarbeit. Viele Fachkräfte fehlen ja nicht per se dem Land, sie sind nur nicht am Arbeitsplatz. Wenn Scholz an einem beliebigen Werktag die Innenstadt einer beliebigen Stadt, ob Husum, Herne oder München, besuchen würde, könnte er sie alle treffen. Deutschland braucht eine Willkommenskultur – auch für die eigenen Arbeitnehmer.

Kapiteltrenner Unsere Highlights heute
  • Die Deutsche Bahn verkauft die britische Auslandstochter Arriva.

  • Mehr Klarheit bei der Klimastrategie liefert die Deutsche Bank.

  • Der Glücksforscher Prof. Borwin Bandelow erklärt, was wirklich glücklich macht.

Kapiteltrenner Die Nacht in Nahost
Frau in Gaza
Die Menschen im Gazastreifen warten auf Hilfslieferungen. © dpa

Die neusten Entwicklungen aus dem Nahen Osten im Überblick:

  • Die in Ägypten lagernden Hilfsgüter für die Bewohner des Gazastreifens sollen nach Aussage eines israelischen Armeesprechers spätestens am Samstag dort ankommen.

  • Nach Angaben des israelischen Armeesprechers sollen zivile Opfer bei der geplante Bodenoffensive im Gazastreifen möglichst vermieden werden:

 
  Wir wollen keine Toten auf unserer Seite sehen. Wir wollen keine Toten unter den Zivilisten im Gazastreifen sehen. “
  • Die israelische Armee hat eigenen Angaben zufolge ein an den Terrorattacken in Israel beteiligtes Mitglied der islamistischen Hamas getötet.

  • Die von der militant-islamistische Hamas geführten Behörden im Gazastreifen haben Israels Militär den Beschuss einer griechisch-orthodoxen Kirche vorgeworfen. Bei dem Angriff am späten Donnerstagabend habe es Tote und Dutzende Verletzte gegeben.

 
Westjordanland
Israelische Angriffe im Westjordanland. © dpa
  • Im Westjordanland sind nach palästinensischen Angaben am Donnerstag bei einem Militäreinsatz zehn Menschen getötet worden. Sieben Palästinenser starben bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten in einem Flüchtlingslager.

  • Das israelische Militär hat in der Nacht zu Freitag erneut Stellungen der pro-iranischen Hisbollah im Libanon sowie mutmaßliche Terroristen dort angegriffen. Unklar war zunächst, ob es dabei Verletzte oder Tote gab.

Kapiteltrenner Nahost-Diplomatie
20231020-image-imago-pb-Außenministerin Annalena Baerbock und ihr Kollege Aiman al-Safadi in Jordanien
Außenministerin Annalena Baerbock und ihr Kollege Aiman al-Safadi in Jordanien © imago
  • Verteidigungsminister Boris Pistorius ist zu Gesprächen über die militärische Zusammenarbeit nach Israel gereist.

  • Außenministerin Annalena Baerbock ist das zweite Mal nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten unterwegs. In Jordanien traf sie ihren Kollegen Aiman al-Safadi. Heute reist sie weiter nach Israel. Danach geht es in den Libanon.

  • UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat eine sofortige humanitäre Waffenruhe für den Gazastreifen gefordert. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ägyptischen Außenminister Sameh Schukri in Kairo sagte er:

 
  Der Gazastreifen braucht umfangreiche und dauerhafte Hilfe. “
  • Nach Scholz und Biden ist auch der britische Premier Rishi Sunak in Israel. „Es ist der Kampf der freien Welt, der Kampf um die Zukunft“, sagte er. Gleichzeitig will er 10 Millionen Pfund für humanitäre Hilfe im Gazastreifen bereitstellen.

  • Der chinesische Präsident Xi Jinping forderte in seiner ersten öffentlichen Äußerung zum Thema einen sofortigen Waffenstillstand im Israel-Hamas-Krieg. China sei bereit, die Koordination mit Ägypten und anderen arabischen Ländern zu verstärken.

 
Joe Biden
US-Präsident Joe Biden will sowohl der Ukraine als auch Israel helfen. © dpa
  • US-Präsident Joe Biden will den Kongress um milliardenschwere Finanzhilfen für Israel und die Ukraine bitten. Für „Amerikas nationale Sicherheit“ sei es von entscheidender Bedeutung, dass Israel in seinem Krieg gegen die Hamas und die Ukraine in ihrem Krieg gegen Russland Erfolg habe, erklärte Biden am Donnerstagabend in einer Rede aus dem Oval Office:

 
  Hamas und Putin repräsentieren verschiedene Bedrohungen. Aber sie haben eines gemeinsam. Sie beide wollen einen benachbarte Demokratie komplett auslöschen. “
  • Biden zufolge versuchen die USA alles, um die Geisel aus dem Gazastreifen nach Hause zu holen. Er sprach auch darüber, dass die Menschen in Gaza dringend Lebensmittel, Wasser und Strom bräuchten. Biden versuchte in der Ansprache sowohl die Unterstützung Israels als auch die Beziehungen der USA zum palästinensischen Volk zu betonen.

 
  Die USA bleiben dem Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung verpflichtet. Man kann die Menschlichkeit der unschuldigen Palästinenserinnen und Palästinenser, die nur in Frieden leben wollen, nicht ignorieren. “

Kapiteltrenner Koalitionsausschuss
20231016-image-imago-mb-Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz
Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz © imago

Erstmals seit drei Monaten kommt im Kanzleramt heute am späten Nachmittag wieder der Koalitionsausschuss zusammen. 17 Politikerinnen und Politiker gehören dem Gremium an – jeweils sechs von FDP und Grünen und fünf von der SPD.

Im März hatte die Runde zustande gebracht, 30 Stunden am Stück zu tagen. Dass es diesmal ähnlich lange dauert, ist nicht zu erwarten. Wie mein Kollege Gordon Repinski erfuhr, stehen nach den internen Vorbereitungsrunden der Parteien gerade einmal zwei Tagesordnungspunkte zur Diskussion: Als erstes soll die Lage in Israel diskutiert werden. Der zweite Tagesordnungspunkt heißt „Allgemeines“.

Was genau besprochen werden soll, lesen Sie in unserem Newsletter „Hauptstadt Das Briefing”.

Header Kanzleramt Dämmerung Koalitionsausschuss
Der ernste Koalitionsausschuss
Drei Monate gab es keinen Koalitionsausschuss – in der geopolitischen Groß-Krise ist es nun so weit.
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Kapiteltrenner: Sicherheit in Deutschland
Thomas Strobl
Thomas Strobl (CDU), Innenminister von Baden-Württemberg. © dpa

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl sieht für Deutschland derzeit eine erhöhte Terrorgefahr. In der neuen Folge unseres Hauptstadt-Podcasts sagte der CDU-Politiker:

  Es ist ganz klar, dass wir eine hohe abstrakte Gefährdungslage auch im Hinblick auf islamistische Anschläge haben. “

Viele hätten in den vergangenen Jahren verdrängt, dass der islamistische Terror nicht verschwunden sei. Insbesondere die Sicherheitsbehörden des Bundes müssten nun ein „waches Auge“ auf die Entwicklungen in Deutschland haben, so Strobl.

Das gesamte Interview hören Sie hier im Hauptstadt-Podcast.

Kapiteltrenner Deutsche Bahn
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Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn © imago

Die Deutsche Bahn beendet ihren Ausflug in die europäischen Nahverkehrsmärkte und verkauft die britische Auslandstochter Arriva an den US-Investor I Squared. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Laut Insidern sind es 1,65 Milliarden Euro. Über die Pläne und das Ende der weltweiten Expansionsgelüste hatte The Pioneer schon Ende September berichtet.

Für die Bahn gleicht der Verkauf einem Befreiungsschlag. 2010 kaufte der Staatskonzern Arriva für 2,7 Milliarden Euro. Unterm Strich hat Arriva nie seine Kapitalkosten verdient, die nötig gewesen wären, um neue Züge zu kaufen. So stehen auch heute noch eine Milliarde Euro Nettofinanzschulden in den Bilanzen, die die Bahn jetzt löschen kann. Außerdem hätte die Bahn die Elektrifizierung der 12.600 Arriva-Busse mitfinanzieren müssen, unter anderem die der roten Doppeldecker in London.

Fazit: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 
DB Arriva: Zurück auf Los
Betriebsgewinn von DB Arriva, bereinigtes Ebit in Millionen Euro
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Kapiteltrenner Deutsche Bank
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Deutsche Bank-CEO Christian Sewing © Anne Hufnagl

Die Deutsche Bank zeigt mehr Klarheit bei ihrer Klimastrategie. Ihr erster „Transitionsplan“ offenbart, wie sie bis 2050 Klimaneutralität anstrebt, einschließlich begrenzter Treibhausgasemissionen in sieben energieintensiven Sektoren.

Zur Erklärung: Die Vergabe von Krediten an energieintensive Firmen spielt eine zentrale Rolle in der Klimabilanz von Bankinstituten. Durch die Finanzierung tragen Banken eine Mitverantwortung für die Emission von Treibhausgasen, was sich in der Klimabilanz der Institute widerspiegelt.

Für die Öl- und Gas-, Energie-, Automobil- und Stahl-Branchen hat das Net-Zero-Forum der Deutschen Bank bereits solche Klimaziele festgelegt, nun sollen auch für die Branchen Kohlebergbau, Zement und Schifffahrt Klimaziele folgen. Die Ziele:

  • Bis 2030 sollen im Kohlebergbau die finanzierten Emissionen etwa halbiert und bis 2050 um 97 Prozent gesenkt werden.

  • In der Zementbranche plant die Bank eine CO2-Verringerung von 29 Prozent bis 2030 und 98 Prozent bis 2050.

  • In der Schifffahrt folgt sie dem Branchenstandard „Poseidon Principles“, welche 2019 von einigen Finanzinstituten gemeinsam ins Leben gerufen wurde.

Damit hat das Kreditinstitut in Bezug auf ihr Firmenkundengeschäft nun 55 Prozent der finanzierten CO2-Emissionen auf dem Weg zur Klimaneutralität adressiert.

Des Weiteren möchte sich die Deutsche Bank sowohl von Unternehmen aus Branchen, die nicht dekarbonisiert werden können, als auch von Kunden, die keine Bereitschaft zur Einhaltung der Klimapläne zeigen, trennen. Dafür müssen ab 2026 mindestens 90 Prozent der besonders energieintensiven Firmenkunden einen Netto-Null-Plan vorlegen, um Darlehen der Deutschen Bank zu erhalten.

Kapiteltrenner US-Staatsanleihen
20231020-image-imago-mb-Jerome Powell während der Pressekonferenz in Washington
Jerome Powell, Präsident der Federal Reserve © imago

Trotz des Nahost-Konflikts und der Gefahr einer Eskalation zeigen die Finanzmärkte ein untypisches Verhalten. Anleihen verzeichnen Verluste, was zu 16-Jahres-Höchstständen bei den Renditen führt: 4,98 Prozent für zehnjährige US-Anleihen und 5,057 Prozent für 30-jährige. Sogar zweijährige Anleihen erreichen mit 5,2 Prozent ein 17-Jahres-Hoch.

Dies stellt eine äußerst interessante Entwicklung dar: Normalerweise würden solche geopolitischen Unsicherheiten zu Verlusten an den Aktienmärkten führen, während sich Investoren verstärkt den „sicheren Häfen“ wie Gold und Staatsanleihen zuwenden.

Auch die gestrige Rede von Fed-Chef Jerome Powell vor dem Economic Club of New York brachte keine Entspannung am Anleihemarkt. Obwohl dieser beim offiziellen Auftritt eine längere Zinspause angedeutet hat, blieben die Renditen bei den US-Staatsanleihen unverändert hoch.

Kapiteltrenner Glück

Gerade scheint es besonders schwer, glücklich zu sein: Erst Corona, dann der Ukraine-Krieg und jetzt Krieg im Nahen Osten. Das spiegelt sich auch in der Umfrage zum Glücksatlas 2022 wider: Die Deutschen finden sich mit 6,68 von zehn Punkten im Mittelfeld der Zufriedenheit wieder.

Aber was genau macht einen Menschen glücklich? Welche äußeren und inneren Faktoren spielen dabei eine Rolle?

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Borwin Bandelow © imago

Um das herauszufinden, habe ich im Pioneer Podcast mit dem Neurologen und Psychotherapeuten Prof. Borwin Bandelow gesprochen. Das Glück kann man zumindest zeitweise auf unschädliche Art beschleunigen, erklärt er:

  Indem man zum Beispiel Sport treibt, Musik hört, aber natürlich auch durch gutes Essen und viel Sex werden die Endorphine im Belohnungssystem angestachelt. “

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Klick aufs Bild führt zur Podcast-Page.

Politiker machen im Wahlkampf trotzdem häufig Geldversprechen. Funktioniert das?

  Politiker denken tatsächlich immer, wenn sie hier und da mal fünf Prozent irgendwo irgendwas erhöhen, dass sie dann deswegen gewählt werden. Da liegen sie einfach falsch. “

Zudem kommt es darauf an, wie und für was man Geld bekomme, erklärt der Forscher:

  Die Menschen müssen einen Zusammenhang zwischen Mühe und Belohnung sehen. “

Das ganze Gespräch hören Sie hier. Prädikat: beglückend.

Kapiteltrenner Otfried Preußler
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Otfried Preußler © imago

Am 20. Oktober 1923 kam der Schriftsteller Otfried Preußler im nördlichen Ober-Böhmen als Sohn zweier Lehrer zur Welt.

Dabei liefen seine Kindheit und Jugend deutlich weniger romantisch als das Schicksal der Buchhelden, die er später erdenken würde. Mit 19 Jahren kämpfte Preußler im Zweiten Weltkrieg und verbrachte die fünf Folgejahre in sowjetischer Gefangenschaft. Nach der Freilassung wurde Preußler Lehrer und publizierte 1956 sein erstes Buch „Der kleine Wassermann“.

In den nächsten Jahren schrieb er sich mit 38 Büchern, die in 50 verschiedene Sprachen übersetzt wurden, in die Herzen von Millionen Kindern weltweit.

Zu den bekanntesten Geschichten Preußlers zählen „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“ und „Krabat“.

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Umfangreiche Schau der Werke von Otfried Preußler © imago

Und natürlich der „Räuber Hotzenplotz“, der eine Kaffeemühle klaut und von zwei Jungs gestellt wird. Auf seiner Flucht vor der Justiz verwendet er kuriose Methoden wie eine Pfefferpistole und eine Laubfalle. Bis heute kennt fast jedes Kind den skurrilen Räuber. Der Erfolg von Preußler liegt auch in der humorvollen Erzählung. Eine Kostprobe:

„Ich werde es dem Halunken zeigen, zum Donnerwetter – und wenn er sich hinterm Mond verkriecht!“

„Nicht doch, Herr Oberwachtmeister!“, rief Seppel. „Vergessen Sie nicht, dass Sie keine Hose anhaben!“

Am 18. Februar 2013 starb Otfried Preußler im Alter von 89 Jahren im Kreise seiner Familie. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Sein Vermächtnis sollte unsere Gesellschaft als Aufforderung verstehen:

  Seien Sie gut zu den Kindern – wir haben nichts Besseres! “

Ich wünsche Ihnen einen familienfreundlichen Start in das Wochenende.

Bleiben Sie mir gewogen. Es grüßt Sie auf das Herzlichste, Ihr

Signatur Gabor Steingart
Gabor Steingart
Herausgeber The Pioneer

Redaktion

Lukas Herrmann (Leitung), Luisa Nuhr, Nico Giese, Daniel Bayer, Michael Bassewitz und Amelie Wehle.

Außerdem mitgewirkt haben heute Christian Schlesiger und Maximilian Stascheit.

Grafiken

Henning Schmitter (Titelbild)

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